Der dicke Mann am Piano – Fats Waller

Fats Waller am Piano
Fats Waller am Piano

Thomas Wright „Fats“ Waller wurde als das jüngste von vier Kindern des Reverend Edward Martin Waller  und seiner Frau Adaline Locket Waller, am 21. Mai 1904 geboren.

Mit sechs Jahren begann begann er das Piano in der Kirche seines Vaters zu spielen und mit 14 trat er bereits im Lincoln Theater in Harlem auf, wo er innerhalb der ersten 12 Monate seinen ersten Rag komponierte. Im Alter von nur 18 Jahren schrieb er sein erster Piano-Solo!

Von hieran begann Waller’s Karriere stetig zu wachsen. Er war ohne Frage einer der bekanntesten Musiker seiner Zeit und war sowohl in Amerika, als auch in Europa, erfolgreich. Er besaß in seinem Leben die Rechte an über 400 selbstgeschriebenen Songs!

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Allerdings war es ihm häufig nicht vergönnt von seinem musikalischen Talent zu profitieren. Er verkaufte viele seiner Songs für relativ wenig Geld und die Käufer behaupteten, nachdem die Stücke zu Hits wurden, sie hätten sie selbst verfasst.

Trotz allem zeichnete Fats Waller neben seinem musikalischen Talent und seines körperlichen Umfangs auch sein Charakter aus. Andy Razaf, mit dem Fats viele seiner Songs zusammen schrieb, bezeichnete ihn in einem Interview einmal als:

„… die Seele der Melodie… ein Mann der das Piano zum singen bringt… sowohl groß in Körper, wie im Intellekt… bekannt für seine Großzügigkeit.“

Nach dieser Beschreibung fällt es einem schwer zu glauben, dass es möglich ist, eine Verbindung von einem solchen Mann zum organisierten Verbrechen der 20er Jahre zu finden. Diese Verbindung ergab sich, ohne das Fats Waller in der Sache ein Mitspracherecht besaß, im Jahre 1926.

Das Sherman Hotel in Chicago, anfang des 20. Jahrhunderts
Das Sherman Hotel in Chicago, anfang des 20. Jahrhunderts

Zu dieser Zeit spielte er  im Sherman Hotel in Chicago, wo er seine Auftritte vor vollen Rängen absolvierte. Besondere Aufmerksamkeit erlangte er durch das Einwerfen eigener kleinerer Witze in seine Songtexte. Diese Aufmerksamkeit beschied ihm schnell, in einer Nacht nach einem Konzert, den Besuch von vier Männenr, welche hinter dem Hotel auf ihn warteten und ihm, sobald er aus der Tür getreten war, einen Revolver in den Rücken drückten.

Sie zwangen ihn in ihre Limousine einzusteigen und rasten mit ihm davon. Fats wurde durch East Cicero, einem Bezirk von Chicago, gefahren, wo die Limousine vor dem Hawthorne Inn hielt. Er wurde in das Hotel geführt und er wurde gezwungen vor einem Piano Platz zu nehmen und zu spielen. Waller war zu dieser Zeit sicherlich nicht der Meinung es sei eine gute Idee eine Diskussion zu beginnen, und so gab er eine weitere Vorstellung, mit allen Facetten seiner sonstigen Konzerte. Das Publikum war begeistert, ein Mann besonders. Erst als Fats die Narbe über dem Gesicht erkannte, wusste er dass er das „Überraschungsgeschenk“ für die Geburtstagsparty von Al Capone geworden war.

Al Capone
Al Capone

Wenn die Gerüchte stimmen, feierten Capone und seine Mannen drei Tage lang – und Fats musste spielen. Nachdem sie beendet war, wurde er in der gleichen Limousine zurück zum Sherman Hotel gefahren. Satt vom Gourmet-Essen, betrunken vom feinsten Champagner, den es in Chicago zu kriegen gab, und mit mehreren tausend Dollar, die er von den Partygästen zugesteckt bekommen hatte, damit er weiter spielte.

In den 30er Jahren tourte er sehr erfolgreich durch England und Irland und erschien in einem der ersten Sendungen der BBC. Sein Terminkalender füllte sich immer stärker während der frühen 40er Jahre. Er steuerte die Musik zum Musical „Early to Bed“ bei, trat in immer mehr Filmen auf, unter anderem in „Stormy Weather“, und nahm stetig neue Songs auf. Seine Ess- und Trinkgewohnheiten waren weiterhin sehr extrem und die ständige Frustration als Künstler nicht ernst genommen zu werden begann, sich auf seinen Gesundheitszustand auszuwirken.

Nach einem Konzert im Zanzibar Room in Hollywood im Dezember 1943 verschlechterte sich sein Zustand. Er stieg in den „Santa Fe Chief“ Zug, um von Hollywood zurück nach New York zu fahren. Er erreichte sein Ziel niemals und starb am 15. Dezember 1943 an Lungenentzündung an Bord des Zuges während eines Stops an der Union Station in Kansas City.

Es war ihm nie vergönnt, sich seinen sehnlichsten Wunsch in seiner Karriere zu erfüllen:

Fats Waller's Album "Smashing Thirds"
Fats Waller’s Album „Smashing Thirds“

Er wollte stets als ernstzunehmender Musiker gelten, doch die Art seiner Auftritte und die rassistischen Vorurteile der Zeit, haben ihm dies verwehrt. Was ihm jedoch unbestreitbar gelang, war die Beeinflussung vieler Pianisten seiner und der nachfolgenden Jahrzehnte, wie beispielsweise  Count Basie, Art Tatum, Thelonious Monk und Dave Brubeck. Noch heute begeistert er neue, junge Pianisten und mehrere seiner Aufnahmen sind zu Klassikern des Swings geworden. Einige von ihnen fanden Aufnahme in die Grammy Hall of Fame, welche seit 1973 Musik ehrt, die mindestens 25 Jahre alt ist und eine “qualitative oder historische Signifikanz” besitzen.

So scheint es, als wäre der Wunsch von Thomas Wright „Fats“ Waller wenigstens nach seinem Tode, doch noch wahr geworden.

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